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Forschung

Hatte Popeye doch recht?

Wer Popeye ist und dass er außergewöhnliche Muskelkraft durch das Essen von Spinat gewinnt, wissen die meisten. Doch wie genau Spinat das bewirken soll, ist weniger verbreitet.

Popeye entstand etwa zu der Zeit, zu der Spinat als besonders eisenreich galt. Eisen ist ein wichtiger Mineralstoff, der an verschiedenen physiologischen Prozessen beteiligt ist, die die körperliche Leistung und Ermüdungsresistenz positiv beeinflussen. Von daher wurde angenommen, dass Spinat die Kraft steigern kann. Spinat enthält jedoch weniger Eisen als gedacht. Die in getrocknetem Spinat gemessenen 35 Milligramm Eisen pro 100 Gramm wurden fälschlicherweise frischem Spinat zugeschrieben. Der aber besteht zu ca. 90 Prozent aus Wasser, enthält also nur noch ca. 3,5 Milligramm Eisen pro 100 Gramm. Vom Eisen kommt Popeyes Kraftzunahme also nicht. Popeye selbst schrieb den positiven Effekt des Spinats dem hohen Vitamin A-Gehalt zu. Tatsächlich enthält Spinat viel Vitamin A. Dies ist zwar wichtig für die Gesundheit, hat jedoch wenig Einfluss auf die Muskelkraft.

Neuere Studien zeigen, dass Popeye vielleicht doch recht hatte und Spinat die Muskeln stärkt. Gleich zwei Bestandteile kommen dafür infrage: Ecdysteron und Nitrat. Ecdysteron wird von manchen Pflanzen zum Schutz vor Fressfeinden produziert. In Tier- und In vitro-Studien wurde ihm ein leistungssteigernder, anaboler Effekt nachgewiesen. Aber: In den wenigen bisher durchgeführten Studien mit Menschen wurde Ecdysteron als Konzentrat verabreicht. Um die gleichen Mengen mit frischem Spinat zu erreichen, bräuchte es mit einem Ecdysterongehalt von 0,01 Prozent je nach Studie zwischen 120 und 2000 Gramm Spinat pro Tag. Ob, wie und wann Ecdysteron im Menschen wirkt und wie viel Ecdysteron unser Körper aus Spinat überhaupt aufnehmen könnte, ist zurzeit noch unklar. Die positive Wirkung von Nahrungsnitraten wird der erhöhten Bioverfügbarkeit von Stickstoffmonooxid (NO) zugeschrieben. NO hat viele Funktionen: z. B. in der Regulation des Blutflusses, der Muskelkontraktilität, der Muskelzellentwicklung und der Zucker- und Kalziumhomöostase. Studien zeigen, dass eine erhöhte Einnahme von Nitraten oder nitratreichen Lebensmitteln neben einer blutdrucksenkenden Wirkung das Potenzial besitzen kann, die Effizienz der Skelettmuskelkontraktion zu steigern. D. h. bei gleichem Zeit- und Energieaufwand kann mehr Muskelarbeit geleistet werden. Allerdings ist nicht bekannt, unter welchen genauen Bedingungen diese Wirkung erzielt werden kann. Die Forschung steht hier noch am Anfang. Wir können also gespannt sein, wie sich die Faktenlage um Popeye und seinen Spinat weiterentwickelt. Bis dahin: Geniessen Sie ihren Spinat, versprechen Sie sich jedoch nicht zu viel davon.


Text: Forschungsabteilung

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