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Muskulatur

Warum Personenwaagen lügen

Die Aufnahme zeigt eine Kieser Training-Kundin in Begleitung eines Instruktors bei der BIA-Messung. Die BIA ist eine Körperwaage, welche die Muskel- und Fettmasse misst.

Unsere Muskulatur bewegt und stützt uns und ist darüber hinaus unser größtes Stoffwechselorgan. Doch mit dem Alter schwindet sie. Stattdessen nimmt das Körperfett schleichend zu. Übergewicht und Stoffwechselerkrankungen wie z.B. Bluthochdruck zählen zu den fatalen Folgen.  Glücklicherweise lässt sich mit Krafttraining gut gegensteuern. Es ist eine wissenschaftlich anerkannte Maßnahme, die Skelettmuskelmasse zu erhöhen, die Fettmasse zu reduzieren und damit die Gesundheit im Allgemeinen und die metabolische Gesundheit im Speziellen zu erhalten.  

Doch wie erfährt man, wie es um die Verteilung von Fett- und Muskelmasse im eigenen Körper steht? Antwort darauf gibt ein Analysesystem der Firma seca, das auch in den Kieser Training-Studios sukzessive eingeführt wird. Die Bioimpedanzanalyse – kurz BIA. Dr. Michael Johannes Maisch von seca beantwortet die wichtigsten Fragen dazu.
 
Dr. Maisch ist Chief Medical Advisor und Leiter des seca Science Center. Er studierte Medizin an der Justus-Liebig-Universität Gießen und arbeitete mehrere Jahre als Assistenzarzt für Innere Medizin und Gynäkologie in einem Krankenhaus vor den Toren Hamburgs.
 

Dr. Maisch, seit 2020 kann man in einem Großteil der Kieser Training-Studios eine bioelektrische Impedanzanalyse durchführen. Bioimpedanz – was ist das?
Die bioelektrische Impedanzanalyse, kurz BIA, ist ein Verfahren, mit dem sich die Körperzusammensetzung bestimmen lässt. In nur 24 Sekunden lassen sich mit hoher Genauigkeit Ihr Anteil an Muskulatur und Fett bestimmen.

Wenn ich mein Gewicht jahrelang gehalten habe, ist doch alles gut? Wozu braucht es die Analyse der Körperzusammensetzung.  
Die normale Personenwaage zu Hause zeigt Ihnen Masse in Kilogramm an – Ihre Körpermasse. Umgangssprachlich sprechen wir von Körpergewicht.  Physikalisch handelt es sich hier aber um Massen. Daher sprechen wir bei den Auswertungen von Massen und nicht von Gewicht. Die Körpermasse ergibt sich aus der Summe aus Muskel- und Fettmasse, Organen, Knochen und restlichen Bestandteilen. Wer mit 50 Jahren genauso schwer oder leicht ist wie mit 40, freut sich meist und denkt: Super, alles ist gut. Dabei kann das Gegenteil der Fall sein.

Sie meinen, meine Badezimmerwaage lügt?
Selbst mit einer seca Waage verrät Ihnen die reine Körpermasse nichts über die Verteilung von Muskel- und Fettmasse. Sie können viel Muskel und wenig Fett haben, was natürlich wünschenswert wäre - oder genau umgekehrt – obwohl der Zeiger der Waage nicht mal zuckt. Der Wert ist nicht aussagefähig. Die Waage misst eben nur die gesamte Masse, d. h. die Quantität und nicht die Zusammensetzung, also die Qualität.

Sprich, ich habe möglicherweise über Jahre schleichend Muskelmasse verloren und Fettmasse zugenommen?
Genau dies könnte der Fall sein. Das wäre natürlich fatal, da die Muskulatur das größte Stoffwechselorgan des Körpers ist. Haben Sie Muskelmasse verloren, wird sich das vermutlich irgendwann negativ auf die Gesundheit auswirken. Auf der Waage kriegen Sie davon nichts mit. Gleiches gilt umgekehrt: So kann es nach regelmäßigem Training sein, dass Sie an Muskelmasse gewonnen und Ihre Fettmasse reduziert haben – obwohl die Waage das gleiche Gewicht anzeigt. Daher brauchen wir präzisere Angaben.

Wie sieht es mit dem Body-Mass-Index – kurz BMI aus?
Der BMI steckt Sie erst einmal in eine Schublade. Um Aussagen über die Bevölkerung zu treffen, macht das durchaus Sinn. Für Sie als Individuum ist die Schublade aber wenig aussagekräftig. Der Grund: Beim BMI wird Ihre Körpermasse in Verhältnis zu Ihrer Körperlänge gesetzt. Ein normaler BMI liegt für die meisten Menschen zwischen 18,5 und 25,0. Ab einem Wert von 25 gilt man als übergewichtig, ab 30 sogar als adipös. Diese Werte sind trügerisch, weil sie nicht zwischen Muskel- und Fettgewebe unterscheiden. Außerdem gibt der BMI keine Auskunft über das gefährliche Bauchfett. Kurzum: Der BMI reicht zur gesundheitlichen Einschätzung von Ihnen als Individuum nicht aus.

O.K. fassen wir bis hierhin kurz zusammen: Es kommt nicht darauf an, wie schwer ich bin, sondern darauf, woraus ich bestehe.
Genau – und mit einer BIA lässt sich das einfach, schnell und genau bestimmen. 

Können Sie uns erklären, wie eine solche Analyse funktioniert?
Bei der BIA wird der elektrische Körperwiderstand, d. h. die Impedanz gemessen. Daher der Name Impedanzanalyse. Dazu schickt man einen schwachen Strom durch den Körper. Muskeln und Fett haben eine unterschiedlich gute Leitfähigkeit, wodurch unterschiedliche Widerstände entstehen. Muskeln haben beispielsweise einen höheren Wasseranteil und damit eine bessere Leitfähigkeit als Fett, welches physikalisch gesehen isoliert. Anhand einer wissenschaftlich aufwändig erhobenen Formel, in die verschiedene weitere Informationen wie Körperlänge, Alter, etc. einfließen, werden dann Muskel- und Fettmasse sowie weitere Parameter der Körperzusammensetzung berechnet.

Bleiben wir kurz bei den Messdaten. Welche Daten werden ermittelt?
Wir ermitteln tatsächlich auch Ihren BMI. Der BMI stellt eine perfekte Basis dar, um die Notwendigkeit der Zusammensetzung aufzuzeigen. Schnell wird erkannt, wie trügerisch dieser erste Blick sein kann. Dann zeigen wir die Skelettmuskelmasse und das Verhältnis von Muskulatur zu Fett. Zudem analysieren wir Ihre Skelettmuskelmasse in Abhängigkeit zum Alter. Die Auswertung zeigt Ihnen, wo Sie im Vergleich zur Referenzgruppe stehen – ob Sie eher überdurchschnittlich viel Muskelmasse haben oder ob hier Defizite vorliegen, die Sie beheben sollten. Und wir bestimmen die segmentale Skelettmuskelmasse. Zudem erhalten Sie Auskunft über Ihren prozentualen Körperfettanteil.

Können Sie bitte kurz erläutern: Segmentale Skelettmuskelmasse, was ist das?
Wir erheben den Anteil der Muskelmassen von Armen, Beinen und Torso. Das ist relevant, um Asymmetrien und Ungleichgewichte in der Muskulatur zu erkennen, z. B. zwischen dem rechten und linken Bein.

Das sind viele Erkenntnisse. Und das alles funktioniert tatsächlich innerhalb von 24 Sekunden. Wie genau sind die Ergebnisse? Etwa im Vergleich zu Personenwaagen, die die Körperzusammensetzung messen?
Grundsätzlich gilt: Je besser die Berechnungsformeln, desto genauer sind auch die Ergebnisse. Voraussetzung für genaue Formeln ist eine Validierung: D. h. der Abgleich der Berechnungsformeln mit einer sehr genauen Referenzmethode. Im Gegensatz zu den Geräten anderer Hersteller oder Ihrer Personenwaage zu Hause wurden die Messungen der BIA in mehreren Studien gegen die jeweils leistungsfähigsten Referenzmethoden validiert. Diese Waage wird dann eben auch in der Medizin für Diagnostik und Therapie angewendet.

Sie haben Referenzmethoden erwähnt. Welche sind das?
In puncto Muskelmasse ist das ein Ganzkörper-MRT. Das ist die genauste Methode, um die Skelettmuskelmasse zu bestimmen. Der seca-mBCA hat im Vergleich zum sehr aufwändigen und teuren MRT, eine 97-prozentige Genauigkeit. Das ist schon ein neuer Goldstandard.

Und in puncto Fettmasse?
Für die Bestimmung der Fettmasse ist die sogenannte 4-C-Methode, aus 4 unterschiedlichen Untersuchungsmethoden, die leistungsfähigste Referenzmethode. Im Vergleich zu dieser Referenzmethode hat der seca mBCA eine 98-prozentige Genauigkeit.

D. h. ich erhalte genaue Ergebnisse in einer grafischen Auswertung. Was bringt mir das für mein Training?
Alle relevanten Informationen über Ihre Körperzusammensetzung dienen dem Fachpersonal als Indikatoren in Hinblick auf Ihr individuelles Training. Wenn Sie Muskelmasse auf- und Fettmasse abbauen wollen, liefert die BIA objektive Messdaten. Und deren Beurteilung bietet Ihnen und den Kieser Instruktoren eine ideale Standortbestimmung. Sprich es ist für Einsteiger die beste Basis, um ihr Trainingsprogramm zu erstellen. Und für diejenigen, die schon trainieren, ist es ein ideales Instrument, das Training zu steuern und Erfolge objektiv messbar zu machen. Sprich es geht darum, zu messen, zu beurteilen, zu steuern und damit wirksam zu trainieren. Und zu motivieren!

Und Sie als Arzt, welchen Personen empfehlen Sie eine BIA?
Jedem. Bei Schwangeren und Menschen mit Herzschrittmacher verzichten wir allerdings darauf – es wird ja mit Strom gemessen.

Und wann wird die BIA am besten durchgeführt?
Am besten nüchtern, man sollte am Vor- und am Messtag keine moderaten oder anstrengenden körperlichen Aktivitäten durchführen. Wenn möglich sollte man immer zur ähnlichen Uhrzeit messen, da wir über den Tag hinweg Wasser-/Gewichtsschwankungen haben, die sich auf den Körperwiederstand auswirken. Für Frauen gilt es, Prämenstruationsphasen und Menstruationszeitpunkte zu vermeiden. Und man sollte immer mit leerer Blase messen.


Fazit: Badezimmerwaagen lügen und der BMI hilft auch nicht wirklich weiter. Mit einer BIA erhalten Sie schnell und einfach ein präzises Bild Ihrer Körperzusammensetzung und so wertvolle Erkenntnisse für ihr Training sowie für die Prävention und Therapie von Zivilisationserkrankungen. Also: Probieren Sie es aus und erfahren Sie die Wahrheit über Ihre Körperzusammensetzung.

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